Klimaschutz · Schaubildreihe
E Auto TUM Studie E-Autos senken die Lebenszyklus-Emissionen gegenüber Verbrennern im Mittel um 41 Prozent – so lautet die viel zitierte Zahl einer neuen TUM-Auswertung. Markus Söder fordert, das weitgehende EU-Aus für neue Verbrenner-Pkw ab 2035 zu kippen. Dabei verweist er auf Technologieoffenheit, Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsplätze und deutet die TUM-Auswertung als wissenschaftliche Unterstützung.
Begleittext E-Autos senken die Lebenszyklus-Emissionen gegenüber Verbrennern im Mittel um 41 Prozent – so lautet die viel zitierte Zahl einer neuen TUM-Auswertung. Markus Söder fordert, das weitgehende EU-Aus für neue Verbrenner-Pkw ab 2035 zu kippen. Dabei verweist er auf Technologieoffenheit, Wettbewerbsfähigkeit und Arbeitsplätze und deutet die TUM-Auswertung als wissenschaftliche Unterstützung.
Doch der Befund ist differenzierter: Die TUM hat 19 Studien mit 47 Szenarien ausgewertet. In rund 92 Prozent dieser Szenarien schneiden batterieelektrische Autos beim CO₂-Ausstoß über den gesamten Lebenszyklus besser ab. Die Ergebnisse reichen allerdings von 89 Prozent weniger Emissionen bis zu 21 Prozent mehr. Fahrzeuggröße, Batterieproduktion, Strommix, Fahrleistung und Lebensdauer machen einen großen Unterschied.
Auch die Zahl von 41 Prozent ist kein überraschender Gegenbeweis zur Elektromobilität. Das Umweltbundesamt ermittelte für 2020 zugelassene E-Autos ebenfalls etwa 40 Prozent Klimavorteil und für 2030 bis zu 55 Prozent. Eine ICCT-Analyse kam für 2025 in der EU auf 73 Prozent. Die Ergebnisse unterscheiden sich, weil die Studien andere Fahrzeuge, Strommixe, Zeiträume und Annahmen verwenden.
Berechtigt ist die Kritik an der EU-Bilanzierung: Die Flottenregeln messen CO₂ am Auspuff. Ein E-Auto wird dort mit 0 g CO₂/km angesetzt. Emissionen aus Stahl, Batterie, Ladestrom und Recycling tauchen in dieser Kennzahl nicht auf. Eine verpflichtende Lebenszyklus-Bilanz könnte deshalb klimafreundliche Produktion und Kreislaufwirtschaft besser belohnen.
Nicht belegt ist dagegen die daraus gezogene politische Schlussfolgerung, das 2035-Ziel müsse deshalb aufgegeben werden oder Verbrenner seien damit grundsätzlich rehabilitiert. Die TUM-Studie findet in der großen Mehrheit der Szenarien einen Klimavorteil für E-Autos. Sie fordert eine bessere Messmethode – nicht das Ende der Elektromobilität.
Hinzu kommt der weltweite Marktdruck: Im Juli 2026 lag der Anteil der sogenannten New Energy Vehicles an Chinas Neuwagenverkäufen erstmals über 60 Prozent. Dazu zählen Batterieautos, Plug-in-Hybride und Brennstoffzellenfahrzeuge. Verbrenner werden in China also weiterhin verkauft, verlieren aber deutlich Marktanteile. 70 Prozent der 2025 dort verkauften Batterieautos waren laut IEA günstiger als ein durchschnittliches konventionelles Auto. China produzierte zugleich fast drei Viertel aller E-Autos weltweit. Die IEA erwartet deshalb für 2035 einen chinesischen E-Auto-Anteil von mehr als 90 Prozent.
Das bedeutet: Selbst eine Rücknahme des europäischen 2035-Ziels würde den weltweiten Technologiewandel nicht stoppen. Preisentwicklung, industrielle Skalierung und der chinesische Markt treiben ihn unabhängig von der EU-Regel voran. Für Europas Autoindustrie geht es deshalb nicht nur um Klimapolitik, sondern auch um zukünftige Wettbewerbsfähigkeit.
Die sinnvolle Konsequenz wäre daher: Elektromobilität ausbauen und zugleich den gesamten Lebenszyklus erfassen, Batterien und Stahl sauberer produzieren, Recycling stärken, erneuerbaren Strom ausbauen und kleinere, effizientere Fahrzeuge fördern. Und: weniger Autoverkehr durch bessere Alternativen ermöglichen.
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Nachweise
Quellen und Einordnung INSTAGRAM-TEXT
REDAKTIONELLER UND RECHTLICHER HINWEIS
Die Reihe gibt Studienergebnisse, Marktdaten, Rechtsregeln und öffentliche politische Äußerungen verkürzt wieder und ordnet sie redaktionell ein. Prozentwerte sind Ergebnisse bestimmter Modelle oder abgegrenzter Marktstatistiken und keine Aussage über jedes einzelne Fahrzeug. „NEV“ umfasst in der chinesischen Statistik Batterieautos, Plug-in-Hybride und Brennstoffzellenfahrzeuge; die IEA-Angabe für 2035 ist eine Projektion und keine sichere Vorhersage. Die Bewertung von Markus Söders Schlussfolgerung und der langfristigen Marktfolgen ist als redaktionelle Einordnung gekennzeichnet. Es werden keine Parteilogos, Pressefotos oder längeren Originalpassagen verwendet. Allgemeine Information, keine Rechtsberatung.
QUELLEN – ABRUF 01.09.2026
DIE ZEIT: Artikel zu E-Autos, TUM-Studie, Markus Söder und Verbrennern
https://www.zeit.de/wirtschaft/2026-09/e-autos-elektrombilitaet-markus-soeder-studie-verbrenner-autos?freebie=ba563a95
Technische Universität München: Lebenszyklusbetrachtung statt CO₂-Messung nur am Auspuff
https://www.tum.de/aktuelles/alle-meldungen/pressemitteilungen/details/tum-studie-zeigt-substanzielle-fehlsteuerung-der-eu-regulatorik-im-automobil-bereich
TUM: White Paper „Defossilisation, Not Decarbonisation“
https://mediatum.ub.tum.de/doc/1861151/1861151.pdf
Umweltbundesamt: Klimavorteil für E-Autos bestätigt
https://www.umweltbundesamt.de/presse/pressemitteilungen/klimavorteil-fuer-e-autos-bestaetigt
International Council on Clean Transportation: Life-cycle greenhouse gas emissions from passenger cars in the European Union
https://theicct.org/publication/electric-cars-life-cycle-analysis-emissions-europe-jul25/
Europäische Kommission: CO₂-Flottenregeln für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge
https://climate.ec.europa.eu/areas-action/transport-decarbonisation/road-transport/cars-and-vans_en
EUR-Lex: Verordnung (EU) 2019/631
https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32019R0631
International Energy Agency: Global EV Outlook 2026 – Executive Summary
https://www.iea.org/reports/global-ev-outlook-2026/executive-summary
International Energy Agency: Electric Car Markets in a Time of Uncertainty (2026)
https://www.iea.org/reports/electric-car-markets-in-a-time-of-uncertainty/executive-summary
Chinesische Marktdaten nach CAAM / Xinhua: NEV-Anteil im Juli 2026 über 60 Prozent
https://www.enghunan.gov.cn/hneng/News/Text_News/202608/t20260813_34044270.html
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